Können Städte intelligent sein? Auf der Suche nach dieser Antwort und was die Zukunft der Urbanität uns noch bringen mag, habe ich mich vergangenes Wochenende begeben. Denn bei der Cognitive Cities Conference wurde unter Stadtplanern, Designern, Strategen, Architekten, Zukunftsforschern und Web Geeks über die Zukunft des Urbanen im Zeitalter fortschreitender Digitalisierung unserer Lebenskultur philosophiert und diskutiert. Eine Konferenz, die so bisher noch nicht in Deutschland stattgefunden hat. Ein Wochenende voller Inspiration, Utopia, Reflektion und Input.
Gestoßen bin ich dabei erst einmal auf eine große Menge an Daten, Zusammenhänge und Kuriositäten, die soziale Gefüge und auch Unsichtbares ans Tageslicht brachten. Im schönen Heimathafen in Neukölln stand der erste Tag unter dem Dach: Futter für das Gehirn und war gespickt von Keynotes und Präsentationen. Ein Schwerpunkt vieler Präsentierenden lag bei der Erforschung komplexer Datensätze, die über Städte und soziale Gefüge vorhanden sind. Dabei wurden viele Fragen aufgeworfen. Wie können diese Daten genutzt werden? Wer stellt sie überhaupt auf? Was bedeutet eigentlich das Term ‘vernetzte Stadt’? Und wer kontrolliert das Ganze? Diese Fragen warf auch Adam Greenfield von Urbanscale in seiner großartigen Keynote ”On Public Objects – Connected Things and Civic Responsibilities in the networked city“ in die Runde. Er betonte die Bedeutung öffentlicher Objekte, die Information sammeln und verwerten. Er forderte, die Daten, die in der Öffentlichkeit gesammelt werden, über offene APIs der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Auch die Abschluss-Keynote war ein kleines Highlight. Science Fiction Autor Warren Ellis beendete den Tag mit inspirierender Poesie über urbane Geister (elektromagnetische Felder in unserem Lebensumfeld), die auch zum nachdenken anregte. “Whose streets are these that you’re going to be building theses cognitive cities on? Our streets.”
Mein persönliches Highlight des ersten Tages war der Beitrag von Dietmar Offenhuber vom MIT SENSEable City Lab Boston, mit seinem Projekt Trash Track. So wie es Versorgungsketten gibt, die unter die Lupe genommen werden, analysierte er den Weg von Haushaltsmüll bis zum Endziel, der Verwertungsanlage. Dafür würde Müll-Gegenstände mit GPS-Sensoren bestückt und deren Weg verfolgt. Und mancher reiste weit: Zum Beispiel von der amerikanischen West- an die Ostküste, wieder zurück und schließlich an die mexikanische Grenze. Das Projekt gewann bereits einen Preis für die tolle Visualisierung und ein Video darüber gibt es hier zu sehen.
Der zweiten Tag wurde in eher lockerer Atmosphäre gehalten, wie es sich für einen Sonntag gebührt. Es gab Workshops, Ausstellungen, eine Schnitzeljagd und kleine Vorträge in der Stadt verteilt mit der Hauptanlaufstelle im Betahaus in Kreuzberg. Wobei ich mich für die Schnitzeljagd durch das sonnige Berlin entschieden habe. Mit Team und Smartphone ausgerüstet ging es auf die Suche nach dem “heiligen Gral” durch die Stadt: dabei habe ich viele Orte gesucht, lustige Dinge getan, fremde Menschen interviewt, eingecheckt und Mayorships ergattert und auch was Neues entdeckt.
Mein persönliches Fazit: Selten habe ich bei einer Veranstaltung, einem Kongress oder Barcamp, eine derart tolle Stimmung und Atmosphäre erlebt habe. Ich habe großartige Menschen wiedergetroffen und kennengelernt. Das Wochenende war sehr familiär bei gleichzeitiger Internationalität. Zudem lag eine gehörige Portion Inspiration, Freigeist und Leidenschaft in der Luft. Die Organisation war geprägt von sehr viel Liebe, Sorgfalt und einen jederzeit offenem Ohr. Es war einfach alles stimmig. Ein großes Lob an dieser Stelle an das komplette Team von @cocities, @thirdwaveberlin und @yourneighbours.
Nun bin ich kein Experte für urbane Entwicklungen. Auch viele der Teilnehmer waren keine Experten. Es gab auch keine universellen Antworten. Aber Denkanstöße und Inspiration. Ich kann es nicht schöner sagen als @fraeulein_tessa “Es wurde eine spannende Bandbreite von Ideen präsentiert, die immer wieder lose ineinander griffen und ein offenes, unfertiges Bild von der Zukunft zeichneten, das Platz zum Entdecken, Fragen stellen, Atmen und Querdenken lässt.” Ein schöne Gelegenheit, um die eigenen Sichtweisen mal wieder zu weiten als auch den Blick über den Tellerrand.
Können Städte intelligent sein? Nein, aber die Menschen, die in den Städten leben. Nur sie können die Stadt als soziales Gefüge und auf Grundlage moderner Technologien, sozialer Medien und Daten in die Zukunft bringen. “The future might be soft and fluffy.” (Sami Niemelä)
Kaffee mit Adam Greenfield


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