Niedrige Hemmschwelle: TLGG beim EyeEm-Festival 2014

Wo sich Fotografie und Social Media überschneiden, ist der Photodienst EyeEm selten weit. Und wenn beim ersten EyeEm-Festival Austausch, Workshops und Erkenntnisse im Mittelpunkt stehen, sind wiederum wir zur Stelle. Als enthusiastische Bilder-Foto-Visual-Liebhaber – und als Digitalnerds sowieso.

Unter Kronleuchtern gab es in der Alten Teppichfabrik Rückblicke zur Entwicklung der Fotografie und spannende Ansätze zum sich wandelnden Verhältnis zwischen Kamera und Mensch.

Das EyeEm-Programm

Was haben wir gelernt?

Wir lernten unter anderem von Stephen Mayes, dem ehemaligen Creative Director von Getty Images. Er beobachtete drei wesentliche Trends an der Schnittstelle zwischen Fotografie und sozialen Medien: Zum einen sinkt die Hemmschwelle: Handy raus. Foto geknipst. Dem Siegeszug des Smartphones verdanken wir eine Flut neuer Bilder im Sekundentakt.

Zum anderen ist der Amateur heute nicht mehr nur geduldet, sondern er wird zelebriert. Überbelichtung und Unschärfe – früher Beweise für Nachlässigkeit – haben durch Dienste wie Instagram einen virtuosen Stellenwert bekommen und so Menschen ermöglicht, sich durch neue Formen auszudrücken.

Und schließlich: Der Funktionswandel weg von der Dokumentation hin zum Erlebnis. Wenn zwei Teenager für ein Selfie posen, dann nicht, um den Moment für die Nachwelt festzuhalten, sondern, um ein teilbares Erlebnis zu schaffen. Natürlich hat das auch viel mit sozialer Positionierung zu tun, aber entscheidend ist, dass der Zweck langfristiger Dokumentation nahezu verschwunden ist.

Kurz gesagt: wer scrollt in seiner Timeline noch nach unten?

Fotofestival im fotogenen Raum

Für interessierte Gesichter sorgte auch die Vorstellung des EyeEm Market, eine Plattform, die getty images und stocksy Konkurrenz machen soll. Der Bildmarktplatz befindet sich noch in der Beta-Phase, doch die Botschaft ist schon jetzt klar: Weg von Stock-Fotografie, hinzu echten Bildern echter Menschen. Dabei sollen bestimmte Kriterien die Qualität der Bilder gewährleisten.

Der Trend in der Fotografiewelt ist klar. Es geht jetzt demokratischer zu. Doch die steigende Masse geteilter Fotos (täglich weit über eine Milliarde) wird von vielen Menschen auch besorgt betrachtet. Worte wie „Beliebigkeit“ und „niveaulose Kommunikation“ werden laut.

Aber wenn ein Bild mehr als tausend Worte sagt, kommunizieren wir dann nicht stärker als je zuvor? Kommunikation verfällt nicht, sie transformiert sich. Weltweit, in allen Medien und auf allen Ebenen. Das darf man ruhig auch feiern. So wie wir es getan haben. Auf dem EyeEm Festival 2014.