Der Ernst des Spiels: Marcel Maas bei #30u30

Die digitale Branche zieht ihre Talente aus allen Bereichen und schaut immer eher aufs Portfolio als aufs Abschlusszeugnis. Hier tummeln sich Wirtschaftswissenschaftler neben Historikern, Psycholgen neben Designern. Und manchmal trifft man sogar einen ehemaligen Croupier im Konzeptermeeting.

Marcel Maas ist mit seinem farbenfrohen Lebenslauf typisch für diese Branche. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum der PR Report ihn für die Nachwuchsinitiative #30u30 nach München eingeladen hat. Am 13. Februar werden 30 junge Köpfe aus der Kommunikationsbranche über die Herausforderungen der Digitalisierung sprechen.

Dass Marcel für die Initiative ausgewählt wurde, kam für ihn zwar überraschend, leuchtet aus seiner Sicht aber auch ein: „Wenn es in der Medienbranche in Zukunft um Diversität geht, dann macht es Sinn jemanden auszuwählen, der eine abwechslungsreiche Biographie hat.“

Und damit kann Marcel durchaus aufwarten. Er hat zwei Bücher veröffentlicht, dafür Preise bekommen, und er ist auch Mitbegründer der Agentur „Die Spielmacher“, die für Unternehmen, Marken und Veranstaltungen, die Realität zum Spiel macht und Spielmechaniken dort einführt, wo sie sonst nicht offensichtlich sind. Dieser Leidenschaft frönt Marcel auch bei TLGG weiter.

„Eine der Stärken, die ich gerne ausbauen möchte, wäre die Entwicklung von Spielmechanismen für Kommunikationsprozesse, die sich unter dem Schlagwort Gamification ganz gut in das Portfolio von TLGG einbauen lassen.“

TLGG_Spiel

Ein Schlagwort, das sich auch gut beim #30u30-Camp machen wird. Denn Spielen ist schon lange nicht mehr Kindern vorbehalten, sondern hat die breite Masse der Bevölkerung erreicht. Eine Entwicklung, die auch an der Werbebranche nicht unbemerkt vorbei gegangen ist.

Als gutes Beispiel für Gamification nennt Marcel Starplayer von Heineken. Per App können hier Zuschauer der Champions League während eines Spiels angeben, wenn ihrer Meinung nach gleich ein Tor fällt. Am Ende winken nicht nur Ruhm, sondern auch Tickets für Spiele.

„Das Prinzip von Heineken funktioniert so gut, weil es bestehende Bedürfnisse und Handlungen gamifiziert. Die Zuschauer hätten sowieso geraten, wann ein Tor fällt. Aber durch die App wird ihr Expertenwissen belohnt.“

Heineken gelang m­it Starplayer ein eindrucksvolles Beispiel für eine erfolgreiche Spielemechanik. Doch die Möglichkeiten des Gamification sind nicht unbegrenzt. Ihre Aufgabe besteht darin, Motivation zu steigern, diese hervorrufen können sie nicht.

„Gelungene Gamification setzt da an, wo Motivation verstärkt werden kann und scheitert dort, wo der Anreiz zum Spielen erst erzeugt werden muss. Egal wie gut das Spiel ist, du kannst die Leute nicht dazu zwingen, etwas zu tun, was sie nicht tun wollen. Gamification ist ein Katalysator für Handlungen, die eh im Bereich des Gewollten liegen.“

Ein gutes Beispiel dafür sieht Marcel im internen Gamification-Mechanismus Language Quality Game von Windows, der zum Launch von Windows 7 initiiert wurde, um einen internen Wettbewerb zwischen den Windows-Offices zu starten. Es ging darum, bei möglichst vielen Dialog-Boxen die sprachliche Genauigkeit, trotz unzähliger Übersetzungen, zu gewährleisten und möglichst viele Fehler auszumerzen. Der Wettbewerbscharakter des Mechanismus schuf hier die nötige Motivation, um die eigentlich stupide Aufgabe zu gamifizieren und so interessant zu gestalten. Aber auch hier: Würde nicht sowieso ein Konkurrenzkampf zwischen den Offices bestehen, wäre es weit schwieriger gewesen, diesen Effekt zu erzielen.

Oft fehlt es der Kommunikationsbranche noch an der notwendigen Sensibilität, um wirklich erfolgreiche Spielmechaniken zu entwickeln. Ein Umstand, dem Marcel ab dem 13. Februar auch in München Abhilfe leisten wird.