Die fünf wichtigsten Erkenntnisse der F8 2015

Nicht ganz regelmäßig ­– aber stets aufmerksam verfolgt – veranstaltet Facebook die Entwicklerkonferenz F8. Auf ihr stellt das Unternehmen technische und konzeptionelle Neuerungen vor, die die Stoßrichtung des Unternehmens für die kommenden Monate vorgeben und auch allgemeine Trendsignale setzen: Hier zeigt Facebook, was das Unternehmen für die Trends hält, die die Kommunikation, die Inhalte, den Konsum und die Interaktion von morgen bestimmen werden.

Unser Head of Community Management Florian Zühlke und Senior-Stratege Max Orgeldinger haben die für sie wesentlichen Erkenntnisse der F8 2015 zusammengetragen und kommentiert. Unsere Redaktion hat sie für Sie nummeriert.

1. Video und Direktchat werden zu zentralen Kommunikationselementen

Facebook öffnet sich: Es wird viel leichter, Inhalte aus dem Netzwerk außerhalb des Netzwerks zu teilen. Und zugleich gewinnt die Kommunikation jenseits von facebook.com an Bedeutung. Die Verlängerung von Video-Content über die Facebook-Umgebung hinaus und der massiv aufgebohrte Messenger bieten gewichtige Features, die in Zukunft die Kommunikation mit Freunden, Verwandten und Bekannten – und natürlich mit Unternehmen – prägen werden. Auch für Marken verbreitert und spezialisiert sich damit das Angebot des Unternehmens: Zukünftig gibt es noch mehr Möglichkeiten, präsent zu sein, und den Kontakt zu Nutzern und Kunden aufzubauen. Das soziale Netzwerk als klar definierter, eingezäunter Zielbereich für Unternehmenskommunikation verliert an Relevanz. Wichtig ist neben dem Platz!

2. Das Netzwerk wird zum App-Portfolio

Damit deutet sich eine weitere Entwicklung an: Die Plattform „Facebook“ als blaue Maske in meinem Browserfenster hat ihre wichtigste Zeit hinter sich! Die Zukunft gehört einem Portfolio von Apps und Services, die jede für sich einen Mehrwert haben: Die beste Messenger-App, die beste Foto-App, die beste Video-Plattform – das System kann zukünftig modular und beliebig um weitere Trends erweitert werden.

F8 2015 – Das Facebook-App-Portfolio

Zusammengehalten werden diese Services nur von einer darunterliegenden Datenbank aus Nutzerprofilen – die sie wiederum um weitere Details anreichern. Damit wird die Ansprache der Nutzer – schon heute beeindruckend bei Facebook Advertising – noch besser, zielgerichteter und vielfältiger erfolgen können.

Die Idee ist nicht neu: Im Grunde verfolgt Google diese Strategie seit Jahren. Das Unternehmen bietet sauber konzipierte und praktische Dienste zur kostenlosen Nutzung an – und Nutzer stellen dafür ihre Daten zur Verfügung. Wie sich diese Daten dann wiederum in einen individualisierten Service übertragen lassen, zeigt aktuell Google Now, in dem Such-, Kalender-, Kontakt-, Orts- und viele andere Daten zu einem persönlichen Assistenten zusammenfließen. Der – aber selbstverständlich – seinerseits wieder Nutzerdaten generiert.

3. Der Facebook Messenger wird zentrales Kommunikationstool

Das wird nach den zwei einleitenden Punkten zunächst nur so als Punkt drei von fünfen präsentiert, aber: Die Rolle des Facebook Messengers ist kaum zu überschätzen. Facebook erweitert die App, die auf Mobilgeräten seit 2014 als Standalone-Programm aus der Facebook-App ausgegliedert wurde, zur Messenger Platform. Die Plattform ermöglicht es Entwicklern, ihre iOS- oder Android-Apps in den Messenger zu integrieren und ihn damit zu einem Allround-Kommunikationswerkzeug zu machen. Nicht von ungefähr gab es schon bei der ersten Erwähnung der Worte „Messenger Platform“ Szenenapplaus aus dem Entwicklerpublikum.

F8 2015 – Messenger Platform

Hochinteressant für Marken und Unternehmen, die keine eigenen Apps planen, ist aber vor allem Messenger for Business. Dieses neue Angebot bringt die Kundeninteraktion auf den intimsten und direktesten Kommunikationskanal des Netzwerkes. Nutzer können sich auf Unternehmensseiten per Facebook Connect authentifizieren, um Updates zu erhalten oder eine Konversation zu beginnen. Da der Großteil der Nutzer mit seinem Browser stets bei Facebook eingeloggt ist funktioniert das mit einem Klick.

4. e-tail und First Level Support via Facebook werden effizienter und intuitiver

Auf der F8 demonstrierte Facebook die neuen Funktionen anhand des Retail-Launchpartners Everlane: So sendet Everlane dem verbundenen Kunden nach dem Kauf eine automatische Kaufbestätigung und Live-Updates über den Lieferzustand. Dafür lassen sich eigens Update-Cards designen. Die Integration des Customer-Support-Service Zendesk in den Messenger zeigt, dass Facebook mit Messenger for Business nicht nur E-Commerce, sondern auch den Customer Support aufmischen will.

Unternehmen bieten diese neuen Möglichkeiten viele Vorteile. Zum einen können Probleme auf einem privaten Kanal gelöst werden – öffentliche Diskussionen und Verhandlungen können ebenso entfallen wie das umständliche „Schicken Sie bitte eine Mail unter Angabe Ihrer Kunden- und Bestellnummer an einenganzanderenansprechpartner@meinunternehmen.com“. Zum anderen eröffnen sich – speziell mit der kommenden Integration von Facebook Payments – neue E-Commerce-Möglichkeiten.

F8 2015 – Messenger for Business

Auch hier ist, was Facebook vorstellt, sicher nicht innovativ. Aber es ist viel besser: faszinierend simpel. Angepasst an moderne Kommunikations- und Technikgewohnheiten bedeutet Messenger for Business sowohl für Unternehmen als auch für Nutzer vor allem Komfort: In Zeiten sich schnell ändernder Kundenerwartungen können Unternehmen die Reichweite und Infrastruktur von Facebook nutzen und bleiben damit ohne großen Aufwand technisch und in puncto UX relevant. Wo individuelle mobile Lösungen für Unternehmen oft hohen Aufwand bedeuten, nimmt Facebook ihnen nun einen Teil dieses Aufwands ab. Natürlich liegt es aber an Unternehmen und Agenturen, hierfür tragfähige Kommunikationskonzepte zu entwickeln, die mehr tun und bieten, als nur die Aufgaben und die Schwierigkeiten von Call-Centern in den Privatchat zu projizieren.

5. Facebook verliert an Bedeutung und wird zugleich unverzichtbar

Die Neuerungen dürften Facebooks dominante Rolle dauerhaft ausbauen und dem Unternehmen dort Erfolg bringen, wo die eigene E-Mail-Lösung @facebook.com oder das Betriebssystem Home versagten. Facebook wird noch mehr vom Spiel- zum Werkzeug und vom sozialen Netzwerk zur Infrastruktur. Schon heute ist Facebook für viele Nutzer synonym zum Internet. Und Infrastruktur – siehe Microsoft – muss man nicht lieben oder trendy finden, um sie zu nutzen. Das konkrete soziale Netzwerk Facebook wird dabei nur zu einem von vielen Strukturelementen.

Für Marken ergibt sich damit ein differenziertes Bild: Natürlich sind wir weit entfernt von einem Abgesang auf die mühsam aufgebauten Markenpräsenzen im sozialen Netzwerk Facebook. Die umfassende Verknüpfung von Facebook-Nutzerdaten und den Kundendaten deutscher Unternehmen, die für eine effiziente Nutzung des Messengers Voraussetzung ist, dürfte speziell in Deutschland noch einigen Datenschutzhürden begegnen. Nichtsdestotrotz zeigt sich erneut, dass Marken und Agenturen eine Perspektive für die Zeit nach der Fanpage brauchen. Das Social Media nur ein Element des digitalen Wandels ist. Und dass Facebook weiterhin eine tragende Rolle spielen wird. Als Veränderungstreiber, als Trendbarometer und als Unternehmen.

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