Mathias Richel: #1yrTLGG

Als Teil eines eindrucksvollen Gesamtpakets wurde er erster offizieller Creative Director bei TLGG. Und blieb. Und bleibt. Und bleibt begeistert. Heute ist Mathias Richel seit einem Jahr bei uns und ist obendrein einer unserer aktivsten Multiplikatoren. Ungefragt und nebenbei legt er uns heute diese kurze Bestandsaufnahme auf den Tisch. Finden wir, Sie verzeihen den emotionalen Ausbruch, richtig geil. Geht uns, sagen wir’s unblumig, vollrohr ans Herz. Jeden Tag willkommen, Typ!

Im Jahr 2010 habe ich mich zum ersten Mal mit Fränzi, Boone und Christoph getroffen, um gemeinsam zu überlegen, ob wir miteinander arbeiten wollen. Wir kannten uns mehr oder weniger gut aus dem Netz und jetzt lernten wir uns mal offiziell kennen. Auch wenn ich mich damals noch für eine andere Agentur entschied – aus den Augen haben wir uns nie verloren. Und so kommt es, dass man mich seitdem in fast allen Fotoserien der legendären TLGG-Partys findet, meistens schon fernab jeder Fotogenität.

Von außen betrachtet war TLGG immer superpräsent und überall waren diese gelben Schlafsäcke. Wirklich überall. Die Agentur machte so viel Lärm, dass es Spaß machte, dabei zuzuschauen. Meistens gut unterhalten, immer freudig begleitet und nur manchmal mit Fremdscham betrachtet. Aber eines habe ich mich immer gefragt: Was machen die eigentlich? Also im Ernst: Was machen die eigentlich?

Jetzt arbeite ich fast auf den Tag ein Jahr hier und ich kann diese Frage immer noch nicht genau beantworten, aber nach diesem Jahr glaube ich, hinter das Geheimnis gekommen zu sein: Es geht darum, niemals eine Antwort auf die Frage „Was machen die eigentlich?“ zu haben, aber immer danach zu suchen.

Seit fast 14 Jahren arbeite ich in unterschiedlichen Agenturen und Positionen und bisher in noch keiner, die bereit war, sich jederzeit selbst so radikal zu hinterfragen. Oder die Kunden, die Produkte, die Projekte, die Tools, die Kanäle, den Code, die Strategie, die Kampagne, alles. Und das Ganze mündet nie, wirklich nie, in ausufernde Nachtsessions, in denen vier Stunden vor der Präsentation noch einmal alles umgeworfen wird, sondern ist permanent im Prozess integriert. Was total chaotisch klingt, bringt im besten Fall eine digitale Exzellenz ans Tageslicht, die ich vorher selten irgendwo gesehen habe. Wie gesagt, im besten Fall. Manchmal muss da noch mehr gehen, wäre noch mehr drin und manchmal haut auch die eigene Performance nicht hin und leider verlieren wir auch Kunden oder Pitches. Davon hängen mir ein paar nach und gleichzeitig freue ich mich umso mehr über die gewonnenen und verteidigten Pitches oder die Chancen, für echte Lovebrands zu arbeiten.

Alle erzählen, dass sich die Kommunikationsbranche radikal wandelt. Content, Channels, Code – manches ist revolutionär, einiges alter Wein in neuen Schläuchen und vieles banal. Nur: Wer soll das wissen? Das Beste an meinem ersten Jahr bei TLGG war und ist, dass wir das austesten, richtig an die Grenzen gehen und dann sagen können, was funktioniert, für wen und warum, und wenn nicht, dann nennen wir Bullshit auch Bullshit. Dann sollen sich die anderen daran versuchen. Try and error und den Kunden dazu gewinnen, dabei mitzumachen – neben aller gebotenen, tagtäglichen hochprofessionellen Arbeit, ist es auch eben genau das, das die Arbeit bei TLGG für mich ausmacht.

Viele meiner alten WegbegleiterInnen oder Kreative, die sich bei mir nach TLGG erkundigen, fragen: „Was machen die eigentlich bei TLGG?“ Und ich betrachte es als die großartige Chance dieser Agentur, jeden Tag mit den tollen KollegInnen und mit den Kunden nach der Antwort zu suchen. Ehrlich gesagt hoffe ich, dass wir nicht so schnell die Antwort finden, sondern immer weiter suchen. Was für eine tolle kreative Chance!