Throw your hands up at me! Weltfrauentag bei TLGG

Question: Tell me what you think about this? Wir haben am heutigen Weltfrauentag ausgesuchte Mitglieder des Team TLGG nach Herzensprojekten gefragt, nach Herzenspersonen, -büchern, -blogs, -webzines und allem, was sie an diesem Tag beschäftigt. Welche Projekte für mehr Gleichberechtigung, für mehr Geschlechterverständnis, für mehr friedliches Miteinander finden sie unterstützenswert? Welche Persönlichkeit bekommt nicht genug Dank für ihr Engagement? Welches Buch sollte jeder einmal in seinen Händen gehalten haben? Herausgekommen ist eine Sammlung so vielfältig und facettenreich wie TLGG selbst. Eine, die inspiriert, Mut macht und feiert. Denn wenn nicht heute, wann dann? Aber lest selbst!Sophie Atkinson

Sophie empfiehlt The Vagenda

The Vagenda ist ein Satire-Blog, das sich über britische Frauen-Magazine wie Cosmo und Glamour lustig macht. Als es 2012 gegründet wurde, hat es solche Websites in Großbritannien nicht gegeben – es gab nur Blogs, die sich ernsthaft mit Feminismus auseinandergesetzt haben. Doch die Gründer von The Vagenda wollten einen Ort im Internet schaffen, wo man über Feminismus sprechen und Spaß dabei haben kann. Frauen-Magazine waren dafür ein naheliegendes Thema, denn sie schreien förmlich danach, dass man sie auf den Arm nimmt.
Es ist ein großartiges Projekt, da es geholfen hat, dass Feminismus mehr Aufmerksamkeit in Großbritannien bekommt. Bis die Journalistin Caitlin MoranHow To Be A Woman” veröffentlicht hat, war Feminismus eher ein Nischenthema, für Studentinnen und die Ladys der Linken. Das Thema war einfach nicht Mainstream. Heute ist Feminismus in jedem Magazin vertreten. Das ist aber sicher nicht nur Vagenda zu verdanken. So hat etwa Aktivistin Laurie Penny das Thema mit ihrem Blog „Penny Red” populär gemacht.

Teresa Baumann

Teresa verehrt Amy Poehler

Amy Poehler is awesome. How awesome is she? So awesome! Ende 2014 hat Amy Poehler – fairy Godmother mindestens einer Generation – ihre Biographie veröffentlicht. „YES PLEASE!“ bestätigt das, was der Menschheit schon längst bekannt sein sollte: Amy kann und Amy wird.
Die 352 Seiten voller Weisheiten, Irrungen, Wirrungen, voller faszinierender, niederschmetternder und motivierender Geschichten aus ihrem Leben haben alle eins gemein: Sie sind ein Portrait voller Selbstbewusstsein. Das soll so und das muss so und überträgt sich auch auf die Leserschaft.
Außerdem ist sie, zusammen mit Tina Fey, Teil des wahrscheinlich grandiosesten BFF-Duos dieses Planeten, wurde jahrelang Samstag abends zur Hillary der Herzen und gründete Smart Girls, um Frauen, die Großes leisten eine Plattform zu geben. Sie dreht ihre Ask Amy-Videos, in denen sie diverse Fragen junger Mädels offen, ehrlich, beeindruckend authentisch aus ihrem Wohnzimmer heraus beantwortet. Und genau das macht Amy aus – sie motiviert, unterstützt, setzt sich ein.
Amy, I love u.

Steffi Mainitz

Steffi verlinkt I’m from Driftwood

I’m from Driftwood nennt sich selbst „LGBTQ Story Archive“ – und genau das lösen sie ein: Geschichten erzählen über LGBTQ-People. Es geht um ihre Coming-Outs, ihre schönsten und einschneidensten Erlebnisse, völlig unabhängig von Gender, Background, Hautfarbe.
Natürlich ist der Weltfrauentag an sich wichtig um Awareness zu schaffen – für die immer noch bestehende Ungleichheit und Ungerechtigkeit, für die physischen und psychischen Verletzungen, denen v.a. Frauen immer noch jeden Tag und immer wieder ausgesetzt sind. Und für die vielen tollen Sachen, die wir machen und können und schaffen jeden Tag. Da hört es für mich aber auf keinen Fall auf – hier geht es darum, an alle zu denken, die noch immer hart darum kämpfen müssen, gesehen und akzeptiert zu werden. Die, die nicht einfach Händchen haltend durch Neukölln oder Brooklyn oder Kuala Lumpur laufen können. Und natürlich geht es um die schönen Geschichten, die Mut machen, und mit denen man sich vielleicht auch identifiziert. Warum ist das Projekt wichtig? Weil es Herzen und Augen öffnet, und uneingeschränkt Toleranz fordert und fördert. Für Frauen, Männer – und alle Identitäten dazwischen.

Jasmin Schoeler

Jasmin liest Tigermilch

„Bis jetzt dachte ich immer, manche Dinge bleiben für immer, die ändern sich nie, die verschwinden nicht, genau wie in Biologie diese versteinerten Tiere, die angeblich Millionen von Jahren alt sind. Das stimmt aber nicht, gar nichts versteinert, Jameelah hatte recht, alles wird immer anders, obwohl man es gar nicht will.“
Jameelah und Nini sind vierzehn und unzertrennlich: In der selben Nachbarschaft aufgewachsen, streifen sie gemeinsam durch den Großstadtdschungel Berlin, lassen die lauen Sommernächte zu Tagen werden und trinken Tigermilch, eine Mischung aus Mariacron, Milch und Maracujasaft. Erwachsen fühlen sie sich, stark, losgelöst vom Alltag der anderen. Doch da schwebt auch diese dunkle Wolke über dem großen Abenteuer Erwachsenwerden und mit ihr die Angst, dass die Aufenthaltsgenehmigung von Jameelah und ihrer Familie langsam abläuft.
Tigermilch ist ehrlich und wichtig in unseren Zeiten, in denen Abgrenzung auf der Welt einen Stellenwert erhält, den sie nicht verdient. Autorin Stefanie de Velasco zeigt, dass wahre Freundschaft keine Staatsangehörigkeit, keine Hautfarbe, keine Angst kennt und macht verständlich, wie viel wichtiger ein Miteinander ist als ein Gegeneinander jemals zu sein vermag. Lest dieses Buch, schaut euch die Lesung an. Ihr werdet mit einem anderen Gefühl durch diese Stadt laufen. Nein: ihr werdet schweben!

Katrin von Kotze

Katrin ist beeindruckt von Shermin Langhoff

Wo soll ich anfangen, wenn es darum geht für den Weltfrauentag starke und einzigartige Frauen vorzustellen? Es gibt viele, richtig viele und genau das ist so wunderbar! Eine, die mich im vergangenen Jahr jedoch besonders beeindruckt hat, war und ist Shermin Langhoff, deutsche Theaterregisseurin, politische Aktivistin und aktuell Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters.
In den vergangenen zwei Jahren hat sie es zusammen mit ihrem Team geschafft, dem Maxim-Gorki-Theater ein neues Image zu verpassen. Aus dem Haus einen Ort für postmigrantisches Theater zu machen, das die Themen Diversität und Partizipation in den Mittelpunkt stellt. Damit hat sie das Maxim-Gorki-Theater konsequent und radikal zu einer Spielstätte entwickelt, die in ihrem Programm und besonders im Ensemble die Vielfalt unserer Berliner Stadtbevölkerung widerspiegelt.
Shermin bringt ein Bild von Deutschland auf die Bühne, das längst von Menschen unterschiedlichster Kulturen geprägt wird, bisher aber viel zu wenig Beachtung auf den großen Bühnen findet. Damit begeistert sie nicht nur mich, sondern auch das mit Abstand jüngste Theaterpublikum Deutschlands. Das und ihr politisches Engagement zusammen mit dem Zentrum für politische Schönheit sind für mich Sicht- und Herangehensweisen, die auch künftig viel Beachtung finden sollten.

Aline Henkys_M

Aline ist vernetzt mit den Geekettes

Die Geekettes sind eine 2012 gegründete Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Frauen in der Tech- und Startup-Welt miteinander zu vernetzen. Derzeit sind die Geekettes an sieben Orten aktiv, von New York bis Gaza.
Frauen wird oft unterstellt, dass sie sich gegenseitig ausbremsen und miteinander konkurrieren, anstatt sich zu fördern und zu stützen. Netzwerke wie Geekettes halten dagegen, z.B. indem erfahrene Mentorinnen junge Gründerinnen unterstützen. Aber auch Workshops, mit denen Wissen vermittelt und Erfahrung ausgetauscht wird, oder das Teilen von Presseanfragen und Jobangeboten gehört zur Arbeit der Geekettes.
Obwohl die Geekettes im weitesten Sinne ein soziales Projekt sind, haben sie es faustdick hinter den Ohren. Kooperationen mit Big Playern wie Google, Telekom oder Bosch zeigen, dass hier nicht nur kleine Brötchen gebacken werden. Die Workshops und Veranstaltungen sind am Puls der Zeit, technisch anspruchsvoll, aber gleichzeitig für alle zugänglich und einladend formuliert (auch für das andere Geschlecht). Geekettes sind ein wichtiges Signal: Frauen in Technik sind keine einsamen Nerd-Wölfe, sondern ein starkes, ambitioniertes Rudel.

Diana Ringelsiep

Diana ist geflasht von The Baboon Show

Als ich The Baboon Show aus Schweden in einem kleinen Club zum ersten Mal live gesehen habe, hat mich Frontfrau Cecilia Boström vollkommen umgehauen! Die prägnante Stimme, mit der sie ihre gesellschaftskritischen Songtexte herausgeschrien hat. Die Art, wie sie vollkommen frei von Eitelkeit auf der Bühne ausgerastet ist, bis ihr der Schweiß aus den Haaren tropfte. Die Message, mit der sie allen Underdogs im Publikum für einen Abend das Gefühl gegeben hat, wirklich etwas verändern zu können – im eigenen Leben, ach, in der ganzen Welt! Ich war komplett geflasht, stand mitten im Moshpit und hatte Tränen in den Augen, weil sie so verdammt cool und der Moment so perfekt war. Cecilia hat ihren Wunsch nach einer Familie nicht aufgegeben, „bloß“ weil sie die Frontfrau einer Punkrockband ist. Sie stand auch im neunten Monat noch in Netzstrumpfhosen auf den großen Festivalbühnen. Cecilia hat dem Punkrock und ihrer Musikkarriere nicht den Rücken gekehrt, sondern hat ihr Baby einfach mit auf Tour genommen. Sie macht, was sie will und nicht, was irgendwer von ihr erwartet. Und ich finde, wir sollten alle ein bisschen mehr wie Cecilia Boström sein: Badass, laut und wunderschön! „I got something, you got it too, let’s make something together!

Lena Kuhlmann

Lena teilt das Missy Magazine

Das Missy Magazine oder auch einfach die Missy beschreib ich immer gerne als „die feministische Spex“ – sie selbst spricht davon, „Berichterstattung über Popkultur, Politik und Style mit einer feministischen Haltung“ zu verbinden, und das mit wachsender Popularität seit mittlerweile 8 Jahren.
Die Missy schafft es, komplizierte, teilweise recht nischige Inhalte so darzustellen, dass mensch Lust hast, sich mit ihnen zu beschäftigen. Feministische, queere und politisch unbequeme Positionen finden ein Sprachrohr und so die Möglichkeit, sich aus der Nische heraus zu bewegen. Dabei geht es zum Glück nicht nur bitterernst zu. Es gibt jede Menge Raum für Kultur, Trash und Augenzwinkern. Außerdem noch eine mutige und zeitgenössische Artdirektion.
Früher gab es eine Rubrik, in der Leser_innen Momente mit der Missy einsenden konnten. Einmal gab es ein Foto einer Leserin im Teenageralter, die in der selben Kleinstadt lebte, aus der ich stamme. Hätte ich in ihrem Alter schon eine Missy gehabt, wäre das Leben bunter gewesen.
Ich finde es sehr wichtig, dass Identitätsentwürfe, die jenseits der immer noch recht eng gesteckten gesellschaftlichen Norm liegen, ein Sprachrohr bekommen, und sich so ein breiteres und bunteres Angebot an Rolemodels entwickelt, das den Tellerrand an spannenden Menschen, Kunstschaffenden unterschiedlicher Disziplinen und Aktivist_innen Stück für Stück erweitert. Wenn wir die Gesellschaft verändern und weiterentwickeln wollen, sind Kanäle wie die Missy unerlässlich, um Menschen mit ähnlichen Perspektiven aufeinander aufmerksam zu machen, um so mit der Zeit stärke Bande zu bilden und immer bessere Sprachrohre zu bauen.