TLGG x Aurelis – How to build a New Work Space in FFM

Ich habe gehört, Kunden seien das eigentliche Problem von Agenturen.
Ich habe gehört, dass TLGG ‚nur’ Social Media kann.
Ich habe gehört, dass Immobilienunternehmen träge, fad, rückwärts gewandt und geldgierig sind.

Well…

Das Immobilienunternehmen Aurelis begibt sich auf Neuland und konzipiert gemeinsam mit TLGG die Zukunft der Arbeitswelten in einem innovativen New Work Space in Frankfurt. Um den Standort für Startups und Fintech-Unternehmen attraktiver zu gestalten und im nationalen Vergleich zu stärken, wagen der Immobilienentwickler und die Agentur für digitale Transformation ein Experiment. Das Umbauprojekt unterstützt Gründer in der Early-Stage-Phase mit dem, was sie brauchen: günstige Räume, die sich maximal an ihre Bedürfnisse anpassen.

Angefangen hat die Kooperation von Aurelis und TLGG – wie viele Consultingprojekte – mit einer Präsentation vom großen bleichen Jungen, Max Orgeldinger. Schnell redend, folienreich, referenzerlesen und mit genug Substanz, um sein Publikum beeindruckt sowie in kontemplativer Stille zurück zu lassen. Dabei ist das Projekt nicht nur aufgrund seiner Initiierungsphase prototypisch für den Consultingbereich TLGGs. Es ist eine Blaupause der Zusammenarbeit mit dem Kunden sowie der Problemlösung in unserem Team.

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But first things first.

Aurelis als Immobilienunternehmen hat verstanden, dass sein Kerngeschäft – die Immobilie – mit einigen Turbulenzen und Umschwüngen konfrontiert werden wird und deswegen die Unterstützung der Berliner Transformatoren gesucht. Wir haben die iPhones geladen, die Laptops geschultert, die Hühner gesattelt und uns auf den Weg nach Eschborn gemacht. Hände schütteln, Käffchen, Realtalk. Die Erkenntnisse und strategischen Überlegungen wurden dann erst einmal in eine Präsentation gegossen – 103 Seiten Powerpoint-Gloss. Kunde zufrieden, digitale Transformation abgeschlossen, vielen Dank für die gute Zusammenarbeit.

Nein. Dieser Aufschlag war der Anfang von etwas Großem. Das Kind, auf das Mama und Papa stolz sind. Der Fußballer, der den entscheidenden Treffer in der 92. Minute macht. Der Autofahrer, der den Blinker setzt, bevor er den Kreisverkehr verlässt. Krass halt.

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Wie gesagt: Das Kerngeschäft von Aurelis verändert sich. Denn die Art und Weise, wie wir arbeiten, verändert sich radikal. Genau deswegen muss sich der Ort, an dem wir arbeiten, an diese Entwicklung anpassen. Immobilien sind nicht mehr nur Kostenfaktoren, sie werden zu Produktivfaktoren, die als Aushängeschild geplant, zu einem Rekrutierungs- und Ermöglichungsvehikel geformt werden. Das Umfeld entwickelt sich vom Cubicle hin zum offenen Kommunikations- und Interaktionsraum. Die bunten Google-Büros sind die wahrscheinlich präsenteste – wenn auch nicht subtilste – Ausprägung dieser Tendenz. Zudem wird es der Rücken eines jeden Schreibtischakrobaten mit Wohlwollen vernehmen, wenn nicht nur der ergonomische Stuhl Einzug in das Büro findet, sondern auch der Stehtisch, der Sitzsack, die Hängematte und auch der Masseur ihren Platz zugestanden bekommen.

Dieses Konglomerat an Details sind zunächst weiche Faktoren, die offensichtlich vom Gutdünken des Arbeitgebers abhängen und bei weitem nicht zum Konsens der gegenwärtigen Kultur gehören. Doch auch elementarere, weniger verspielt wirkende Überlegungen zu Akustik, Raumtechnik, flexiblen Sitzordnungen und Raumaufteilung, Zugang zu Technik sowie Rückzugsmöglichkeiten werden in der neuen Arbeitswelt wichtiger als sie es heute sind, wo mit Wand-Wand-Wand-Wand-Dach-Tür-Internet meist alles gesagt ist.

Aber was, wenn der Vermieter schon an alles denkt? Was, wenn er verstehen will, mit welchen Bedürfnissen seine Mieter an ihn heran treten werden? Was, wenn TLGG nicht glaubt, dass nach einer ausgiebigen Recherche und einer Konsolidierung der Ergebnisse in einem Zehn-Punkte-Plan der Drops gelutscht ist? Was, wenn ein Gantt-Chart, zwei Venn-Diagramme und drei Workshops auch nur zu einem generischen Ergebnis kommen? Dann machen wir folgendes: Will man einem Trend auf den Grund gehen, sollte man sich der Vorreiter annehmen, ihren Einfluss begreifen und die Erkenntnisse in eigene Prozesse einflechten. Was man über neue Arbeitsformen wissen will, erfährt man von denen, die neu arbeiten. So weit, so ach nee.

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Wir richten in einer leer stehenden Immobilie im Westen Frankfurts ein Labor ein. Dieser experimentelle Raum ist die Keimzelle für einen angewandten Lernprozess, für ein tiefgehendes Verständnis einer Entwicklung und Symbol für den Willen das ganz-oder-gar-nicht-Spiel zu gewinnen. Gemeinsam mit TLGG konzipiert Aurelis dort ein Experiment, dass von Startups als den Treibern und Testern der neuen Arbeitsumfeldern lernen will. Dazu wird der Raum entsprechend der sich wandelnden Anforderungen umgestaltet. Für diesen Teil konnten wir Studenten der Hochschule für Gestaltung in Mainz und der Hochschule für Technik aus Stuttgart gewinnen.

Sie entwerfen in einem von a:dk betreuten Wettbewerb Raumkonzepte, die den Bedürfnissen nach Flexibilität, Offenheit sowie Vertrautheit und Rückzug gerecht werden. Im Anschluss daran wird das Gewinnerkonzept vom etablierten und renommierten Architekturbüro meyer schmitz-morkramer unter der künstlerischen Leitung der für den Entwurf verantwortlichen Studenten umgesetzt.

Um die Idee mit Leben zu füllen, richtet sich ein Aufruf an alle sich in der Gründungsphase befindenden FinTechs dies und jenseits des Äquators: Bewerbt euch! Es loht sich. Denn die Gewinner des Pitchdays können nicht nur für neun Monate mietfrei in dem frisch renovierten New Work Space arbeiten, sondern bekommen sie auch Zugriff auf die Schmankerl unserer Kooperationspartner und 1 GB/s Glasfaserleitung. Das Paket umfasst unter anderem Software-Lösungen, Mentoring, Vorträge und juristische Beratung. Schlagt zu, wenn ihr das mit der Gründung ernst meint.

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On a more serious note:

Das Projekt ist exemplarisch dafür, dass digitale Transformation und der Umgang mit der Innovation des eigenen Geschäftsfeldes nicht ausschließlich durch eine schöne Präsentation und zwei Workshops in das Unternehmen getragen werden können. Es gilt, sich auf die ideale Kombination aus Beobachtung, Handlung, Fähigkeit zum Scheitern und der Bereitschaft für ein Experiment einzulassen, dessen Ausgang nicht immer gewiss ist. Aber vor allem braucht es die Bereitschaft, zu handeln und einer für alle Beteiligten neuen Entwicklung durch stetigen Versuch näher zu kommen. Kein Nebelfechten mit hoffentlich gutem Ausgang für die Augen der Teilnehmer, sondern geplante Unsicherheit – also mit Schutzbrille und Brustpanzer, oder so.

Und, um die anfänglich aufgestellten Hab-Gehört-Thesen eins und drei aufzugreifen, eine intrinsische Motivation und das ehrliche Interesse der Auftraggeber. Das klingt banal, das klingt cheesy, das klingt nach dicker Schleimspur. Das ist aber vor allem eben nicht so selbstverständlich, wie man meinen könnte. Hier aber ist es, wie es sein soll. Das mögen wir, das braucht es, das wollen wir weiter haben.